Süß und
ehrenvoll….
Um eines vorweg
klarzustellen: Niemand hat grundsätzlich etwas gegen die Aufforderung,
Organspender zu werden.
Geschmacklos ist es
allerdings, wenn der von Parteifreunden als „Herz-Jesu-Marxist“ verspottete
Arbeits-und Sozialminister Laumann die Beamten in NRW mit den
Bezügemitteilungen für Dezember 2006 zugleich zur Organspende auffordert.
Was fällt einem dazu ein ?
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Nicht nur, daß es süß
und ehrenvoll sei, für das Vaterland zu sterben.
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Näherliegender ist bei
einem Blick auf die gekürzten Weihnachtsbezüge der Gedanke an die
ausgenommene Weihnachtsgans. Die Richter – und Beamtenschaft in NRW wird
von dieser Landesregierung brutalstmöglich finanziell ausgeweidet und
ausgeblutet. Vor diesem Hintergrund ist es nur folgerichtig, die
verbliebenen Reste eines Beamtenlebens im Wege der Organspende dann auch
noch kostengünstig zu entsorgen. Damit – Linssen wird es freuen -
erspart sich das Land zugleich den Beerdigungszuschuß im Rahmen der
Beihilfe.
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Zu denken wäre auch
daran, daß die Landesregierung ihren Beamten damit zwischen den Zeilen
vorschlagen wollte, zum Ausgleich der fehlenden Sonderzahlungen etwa
eine Niere zu verkaufen. In III-Welt –Ländern soll dies ja durchaus
üblich sein. Fraglich bleibt, ob die Beihilfe insoweit für den Eingriff
aufkommen müßte oder ob dies aus einem Topf des
Bundesentwicklungshilfeministeriums zu finanzieren sein könnte.
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Schließlich könnten
einzelne Organe auch an die verbeamteten Kollegen in Bayern und Baden
-Württemberg herausgegeben werden, denen es sowieso schon besser geht,
als den Beamten und Richtern in NRW. So würde NRW zum Ersatzteillager
für die süddeutschen Bundesländer. Neben den Weihnachts – und
Urlaubssonderzahlungen sowie den Ausgleichszahlungen für den
Tarifabschluß erhielte jeder Kollege in Bayern und BW nach Wunsch
wahlweise noch eine Niere, einen Lungenflügel oder eine Netzhaut von
einem Kollegen in NRW.
Das paßte auch zu der von
dem Ministerpräsidenten Rüttgers im Zusammenhang mit BenQ eingeforderten
sozialen Verantwortung der Unternehmer. Diese soziale Verantwortung bezöge
sich dann zwar nicht auf die Bediensteten der NRW AG, deren
Vorstandvorsitzender Rüttgers ist, sondern nur auf Beamte und Richter
außerhalb von NRW. Was machts?! Rüttgers erhebt ja einen bundesweiten
Geltungsanspruch. Statt Länderfinanzausgleich zahlt das Land künftig mit
Organteilen?
Ach ja: ich vergaß zu
erwähnen, daß sich der Landtag von NRW – quasi Rüttgers Aufsichtsrat – laut
Presseberichten eine Diätenerhöhung genehmigen will. Doch Vorsicht: An
Adipositas leidende Aufsichtsratsmitglieder ( vulgo Landtagsabgeordnete )
kommen wohl kaum als geeignete Organspender in Betracht. Aber es sind ja
auch keine wehrlosen Beamten, mit denen man alles machen kann.
Jochen Hartmann
Vorsitzender DRB Duisburg
Brief des Landesministers Laumann,
der Auslöser des Artikels war