Man muss es jetzt wohl schon als Tradition bezeichnen, wenn die Mitglieder der Wuppertaler Bezirksgruppe mal wieder über Fronleichnam ins benachbarte Ausland reisen, um sich in der Ferne fachlich, kulturell und lukullisch inspirieren zu lassen.

Diesmal zog es uns, insgesamt 37 Kolleginnen und Kollegen, in die „Welthauptstadt des Rechts und des Friedens“, also nach Den Haag. Diese Stadt, die oft als bloßer Sitz von diversen Institutionen unterschätzt wird, beeindruckte auch sogleich am Strand von Scheveningen mit strahlendem Sonnenschein bei angenehm erfrischenden 12 Grad Wassertemperatur (gefühlt). So war es wohl nicht (nur) auf die im Bus gereichten Kaltgetränke zurückzuführen, dass es sich zwei gestandene Kollegen nicht nehmen ließen, sich spontan in die Fluten zu stürzen. Die Frage, was „Bikini-Figur“ bei Männern und auf holländisch bedeutet, blieb zwar unbeantwortet, ein vielversprechender Anfang war aber gemacht.

Das folgende Fachprogramm am nächsten Tag (zu Hause wohlgemerkt ein Feiertag) zog uns dann an einen weniger heimeligen Ort, nämlich in die ehemalige Tiefgarage der Niederländischen Telekom, die heute den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) beherbergt. Dort erläuterte uns StAin Petra Kneuer zunächst in eindrucksvoller Weise, was es bedeutet, im tiefsten Afrika gegen Kriegs- verbrecher und andere Despoten zu ermitteln. Auch der am ICC tätige deutsche Richter, Dr. Hans-Peter Kaul, ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich zu empfangen. Er hat nicht nur selbst entscheidend an der Abfassung der ICC-Statuten mitgewirkt, sondern war auch bei vielen internationalen Gesprächsrunden im Vorfeld der Gründung des ICC dabei, so dass er den Weg des ICC bis heute sehr ausführlich schildern konnte. Ganz der (ehemalige) Diplomat, beantwortete er die Frage, ob das Eingreifen der amerikanischen und britischen Truppen im Irak ein völkerrechtswidriger Angriff war, natürlich nicht ausdrücklich, ließ aber an seiner Meinung hierzu keinen Zweifel aufkommen.

Das weitere Fachprogramm führte uns in den städtebaulich deutlich besser gelungenen Friedenspalast, welcher den Internationalen Gerichtshof (ICJ) beherbergt. Sollte demnächst mal wieder ein Neubau von Justizeinrichtungen anstehen, könnte man sich hier sicherlich die eine oder andere Anregung holen. Typisch dabei übrigens das deutsche Geschenk zur Ausstattung des Gerichtshofs – ein Sicherheitszaun. Der letzte Fachprogrammpunkt führte uns dann noch zu Eurojust, einer wenig bekannten, aber insbesondere für Staatsanwälte doch kennenswerten Institution zur Koordinierung grenzüberscheitender Strafverfahren, die uns von OStA Christian Lorenz anschaulich nähergebracht wurde.

Zur Erholung vom reinen Fachprogramm nutzte die Stadt Den Haag die Gelegenheit, sich auf einer Stadtführung erneut von ihren (wirklich vielen) schönen Seiten zu zeigen. Dass es dabei in Strömen regnete und sich der Stadtführer leider überhaupt nicht auskannte, störte nur am Rande. Auch das Haager Nachtleben vermochte uns länger in seinen Bann zu ziehen, als mancher vorab erwartet hätte.

Auf der Rückfahrt wurde dann noch schnell in Leiden vorbeigeschaut, das sich ebenfalls als – Überraschung! – wunderschönes Städtchen präsentierte und zum Wiederkommen im Rahmen eines „richtigen“ Urlaubs einlud.

So bedurfte es am Schluss keiner langen Diskussion, ob wir auch in zwei Jahren wieder losziehen werden. Selbst das Ziel war schnell bestimmt: Leipzig, wir kommen!