Kein Bahn-Streik, keine technischen Probleme. Vor Ort dann drei Tage strahlender Sonnenschein, ein Stadtfest und viel Musik. Wenn Richter und Staatsanwälte reisen ...

Wieder einmal machte sich die Bezirksgruppe Wuppertal zu einer mehrtägigen Fachexkursion auf. Brüssel, Straßburg und Den Haag in den letzten Jahren schienen den Teilnehmern gefallen zu haben, denn 51 (!) gut gelaunte Menschen fanden sich am Wuppertaler Bahnhof ein, darunter aktive Kolleg-innen aus acht Gerichten und der Staatsanwaltschaft, einige Pensionäre und eine Handvoll unerschrockener Partner. Der Zeitpunkt (Mittwoch bis Freitag über Fronleichnam) und das Ziel (Leipzig) waren schon bei der letzten Tour festgelegt worden. Ein Glücksfall, wie sich vor Ort zeigte.

Leipzig empfing uns standesgemäß mit einem großen Stadtfest (angeblich auch zur 1000-Jahr-Feier). Unser Hotel lag direkt an der Nicolaikirche. So konnte die Stadtführung genau dort beginnen, wo die Demonstrationen, die schließlich zum Mauerfall führten, ihren Anfang genommen hatten. Denn unsere Fahrt stand unter dem (sonderurlaubsfähigen) Motto: „Bürgerrechte ./. Unrechtsstaat – 25 Jahre danach. Kaum zu glauben, dass diese Ereignisse bereits ein Vierteljahrhundert zurückliegen und sich einige der mitreisenden Kolleg-innen zu diesem Zeitpunkt noch in der präjuristischen Ausbildung im Kindergarten befanden.

Die Stadtführung endete vor dem historischen Rathaus auf dem Marktplatz, wo uns auf der Stadtfestbühne ein ehemaliges Mitglied der singenden Kelly-Family (von den jüngeren Kolleginnen identifiziert als „Jimmy“) mit einem inbrünstigen „Hallelujah“, vorgetragen auf Gitarre und Mundharmonika, empfing. Einige Gruppenmitglieder nutzten die Gelegenheit, um in „Auerbachs Keller“ zu fliehen.

Der Abend stand unter dem spontanen und überraschenden Motto „Kirche statt Kneipe“. Denn in der Thomaskirche wurden „1000 Minuten Bach“ dargeboten. Die Gelegenheit, Teile des Thomanerchors und die berühmten Orgeln in nächtlichem Ambiente in Aktion zu erleben, ließen wir uns natürlich nicht entgehen.

Am nächsten Morgen besuchten wir das Bundesverwaltungsgericht. Unsere Erkenntnis: Beim Neubau von Justizgebäuden wird heutzutage eindeutig zu wenig Wert auf die Ausstattung der Privatgemächer des Präsidenten/Direktors und von opulenten Sitzungssälen gelegt. Das „schönste Gerichtsgebäude Deutschlands“ (so angeblich und vollkommen zutreffend Bundesjustizminister Maas) weckte doch einige Begehrlichkeiten, und sei es nur nach einem Kaffee im schön gestalteten Innenhof. Doch dieser blieb uns genauso verwehrt wie die Antwort auf die Frage: Wer hat die größere Karriere gemacht, der erste BVerwG-Präsident Ludwig Frege oder sein Enkel „Campino“?

Doch der nächste juristisch-kulturelle Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten. Aufgrund fürsorglicher Planung versammelten wir uns pünktlich eine Viertelstunde zu früh vor dem „Zeitgeschichtlichen Forum“ in Erwartung einer Führung zur Geschichte der DDR. Die Wartezeit wurde verkürzt von einem gewissen Jimmy Kelly, der inzwischen von der Bühne heruntergestiegen war und mit Gitarre, Mundharmonika und Strohhut bewaffnet in einer Endlosschleife „Hallelujah“ zum besten gab und auf edle Spender hoffte. Wir flüchteten in das Museum und genossen die Ruhe des ehemals real existierenden Sozialismus sowie die wirklich interessanten Ausführungen der Museumsmitarbeiter.

Viel zu schnell kam so schon der zweite und letzte gemeinsame Abend und viel zu viel war noch nicht erkundet, sodass sich unsere Gruppe in mehrere „Workshops“ auflöste und die Leipziger Innenstadt unsicher machte. Diese ist recht überschaubar, so dass es zu zahlreichen spontanen Wiedervereinigungen kam.

Am Tag der Abreise stand schließlich noch der Besuch des Völkerschlachtdenkmals auf dem Programm. Es ist erstaunlich, dass dieses beeindruckende Bauwerk nur auf einigen wenigen Stützpfeilern ruht. Noch erstaunlicher ist es, dass der Architektenvertrag aus dem Jahr 1898 mit fünf Sätzen in drei Paragrafen auskommt. Und das vor Inkrafttreten des BGB. Rechtsstreitigkeiten in der Sache sind nicht bekannt.

Erst auf der Rückfahrt zeigte die Gruppe erste Auflösungserscheinungen, da einige Teilnehmer ein paar Tage in Leipzig oder Dresden dranhängten. Der Rest ließ sich erschöpft und zufrieden durch tatsächlich blühende Landschaften zurückfahren. Die Energie reichte aber, um den Bezirksgruppenvorsitzenden zu überreden, in zwei Jahren wieder eine Tour zu organisieren. Wohin es geht, wird nicht verraten.Sonst findet uns der Jimmy noch …