Auf den Spuren der Festlandssockelfindungskommission

„Ich dachte, das ist ein Puff!“. Die Enttäuschung stand der jungen Kollegin ins Gesicht geschrieben. Außerdem taten die Füße weh. Das kommt davon, wenn man einen Feiertag mit juristischen Fachprogramm vergeudet…

Aber der Reihe nach: Auch in diesem Jahr ließ es sich die Bezirksgruppe Wuppertal nicht nehmen, einen regionalen Feiertag zu opfern und über Fronleichnam eine Fachexkursion zu unternehmen, dorthin wo die Leute arbeiten müssen. Diesmal ging es, mit der neuen Rekordzahl von 53 Teilnehmern in die Freie Hansestadt Hamburg. Und so begab es sich, dass wir auf einer „kriminal-historischen St. Pauli-Tour“ erfuhren, wer wann wen in welchem Etablissement so alles umgebracht hat. Und dass die „Ritze“ (zur Enttäuschung einiger junger Damen, s.o.) gar kein Puff ist, sondern eine für hamburger Verhältnisse ganz normale Kneipe mit Boxclub im Keller, den wir auch besichtigen durften. Allerdings sind sowohl die Kneipen als auch die Puffs vom Aussterben bedroht und werden – im Sinne einer „gentrifizierten“ Gesellschaft – alle in Bio-Supermärkte umgewandelt. Wer hätte das gedacht! Nachdem sich unsere Nerven in der „Strand-Pauli“-Bar etwas beruhigt hatten, konnte der Abend kommen, den nicht wenige dazu nutzten, das Fachprogramm zu wiederholen, diesmal allerdings ohne sachkundige Erläuterungen.

Am nächsten Tag stand eine weltweit einmalige juristische Institution auf dem Programm: The International Tribunal for the Law of the Sea, kurz „Internationaler Seegerichtshof“. Dort lernten wir Worte wie „Festlandssockelfindungskommission“ und stellten fest, dass man sich frühzeitig auf Internationales Seerecht hätte spezialisieren sollen. Denn ein Pensum von einem (in Worten: einem) laufenden Verfahren für 29 Richterkräfte ließ gewisse Neidgefühle aufkommen. Auch der Diplomatenstatus der dort tätigen Kollegen und deren Arbeitsplatz (in einer Villa an der Elbchaussee) riefen gewisse Zweifel an der eigenen bisherigen Karriere hervor.

Über die Elbe ging es zurück zu der nach ihr benannten Philharmonie und anschließend zur erneuten Wiederholung des Fachprogramms des ersten Tages. Glücklicherweise hatte die Gentrifizierung noch nicht weiter um sich gegriffen, so dass zwischen all den Bio-Supermärkten noch das eine oder andere Kaltgetränk zu ergattern war.

Am letzten Tag erfuhren wir in der Bucerius Law School, wie ein Jurastudium auch aussehen kann. Mit Napping Room, Coffee Lounge und ohne überfüllte Vorlesungen. Und wieder überkam uns das Gefühl, irgendwas falsch gemacht zu haben. Unserer guten Laune hat dies allerdings nicht geschadet. Und im nächsten Leben eröffnen wir in Wuppertal mit dem Papst einen Bio-Supermarkt!